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(September 2025)
Morgens im Badezimmer. Egal, ob Februar, Juni oder November - ich starte gerne während des gesamten Jahres aprilfrisch in den Tag. Dazu gehören die tägliche kleine Inspektion und anschliessende Routine-Instandhaltungsarbeiten. Benötigtes Werkzeug und Materialien sind immer griffbereit. So kann ich sogar schlaftrunken, mit geschwollenen Augen und dadurch halbblind mein Morgenritual problemlos durchführen. Eigentlich.
Uneigentlich sind kleine Pannen dennoch problemlos möglich. So wie kürzlich. Komisch, dachte ich beim Zähneputzen. Was ist das denn für eine Zahnpasta? Schmeckte seltsam, war irgendwie schmierig und entpuppte sich dann als Handcreme, die sich auf die Zahnbürste verirrt hatte. Völlig sinnlos, denn auf den Zähnen habe ich noch keine Falten und brauche hier auch keinen Sonnenschutzfaktor.
Umgekehrt ist es mir aber auch schon passiert, dass ich mir die Hände mit Zahnpasta eincremen wollte, das ist nicht weniger unangenehm als die Schmiere auf den Zähnen.
Neulich im Hochsommer wollte ich mir ein Sonnenschutzspray fein ins Gesicht nebeln. Mmmmh, das riecht wirklich gut, dachte ich. In meiner Vernebelung hatte ich aber die Parfümflasche gegriffen, die farblich tatsächlich ganz ähnlich ist. Nagellackentferner anstelle Gesichtswasser ist genauso wenig zu empfehlen. Zumindest habe ich aber die Haar- oder Zahnbürste noch nie mit der Klobürste verwechselt. Find ich wirklich gut.
Auch ausserhalb des Badezimmers lauern solche Alltagstücken. Meine Mutter hatte einst einen Zwetschgenkuchen gebacken, den sie immer mit etwas Zucker und Zimt bestreute. Natürlich kamen genau an jenem Tag Gäste, als sie versehentlich Salz und Zucker verwechselte. Ein Zwetschgenkuchen lässt sich aber nicht putzen, das Salz war eine untrennbare Einheit mit den Früchten eingegangen. Seither war meine Mama mit dem Label „da gabs den versalzenen Zwetschgenkuchen“ untrennbar verbunden.
Wer einmal Benzin anstelle Diesel oder umgekehrt getankt hat, wird zukünftig mindestens zweimal auf die Tanksäule schauen. Wer einmal bei der Autopflege Scheibenwischreiniger versehentlich in den Bremsflüssigkeitsbehälter gefüllt hat (wie mein Mann es einmal tat), wird sich wohl verschärft um die eigene Mattscheibe im Kopf kümmern und die Fliegen auf der Windschutzscheibe dafür in Ruhe lassen.
Ein Kollege von mir hat mehrere Angestellte in seinem Betrieb, darunter auch seine Angetraute. Im Vorbeigehen wollte er ihr mal (natürlich nur liebevoll gemeint) auf den Allerwertesten klopfen, eine Geste, die man sich allerhöchstens als wohlverdienter Ehemann erlauben kann. Blöderweise sieht seine Gattin einer Mitarbeiterin (zumindest von hinten) recht ähnlich… - soweit ich weiss, hat mein Kollege sich daraufhin die Brillengläser anpassen lassen.
Also, Verwechslungen dieser Art können den Alltag unangenehm durcheinander bringen. Ähnlich unschön ist es, wenn Werte oder Haltungen miteinander verwechselt werden.
Sparsamkeit z.B. ist durchaus eine Tugend, und nicht wenige Menschen müssen das Geld zusammenhalten, um über die Runden zu kommen. Aus Geiz aber um jeden Rappen, jeden Kaffee, jedes Porto, jede Parkgebühr zu feilschen und lieber fünfmal um den Block zu fahren, um eine Gratis-Lücke fürs Auto zu finden, finde ich unangenehm.
Selbstbewusst durchs Leben zu gehen, ist super und wünsche ich jedem Menschen. Arrogant daherzukommen, sich besser als andere zu wähnen, alles besser zu wissen und sich nichts sagen lassen ist aber eine Nummer zu gross und nicht gerechtfertigt.
Geduldig auf etwas warten zu müssen, muss manchmal sein und tut uns in unserer hektischen Ungeduld durchaus auch mal ganz gut. Immer in Passivität zu verharren und nichts aktiv zu unternehmen ist auf Dauer dagegen ein bisschen wenig.
Auch Liebe und Geld sollten meiner Meinung nach nicht verwechselt werden. Wenn ich mir aber manchmal (z.B. beim Coiffeur, wenn ich die Klatschpresse durcharbeite) die Konstellation von alten, reichen, bekannten Männern mit jungen, weniger reichen und weniger bekannten Frauen anschaue, überkommen mich doch manchmal leise Zweifel.
So. Schluss für heute. Ich habe noch eine Einladung und muss mich hierfür noch etwas renovieren. Jetzt also schnell die Haare geputzt, die Zähne geföhnt... ach, egal, Hauptsache, die Party wird gut.
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